Gabapentin bei Älteren: Keine Senkung des postoperativen Delirs

Delir tritt bei älteren Patienten nach großen chirurgischen Eingriffen mit postoperativen Schmerzen und Opioideinsatz häufig auf. Zu den potentiellen Auswirkungen zählen schlechte funktionelle Outcomes, aber auch längere Krankenhausaufenthalte und damit höhere Kosten, warnen die Autoren einer US-weiten Untersuchung. Eine effektive präventive Therapie wurde bislang noch nicht identifiziert – und auch Gabapentin scheitert ebenfalls als möglicher Kandidat der Prophylaxe, wie die vorliegende doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie zeigte. 

Von den knapp 700 Patienten (mittleres Alter 72 Jahre), die sich nicht-kardialen Eingriffen unterzogen, erhielten 347 Patienten präoperativ und in den ersten drei postoperativen Tagen Placebo, 350 Patienten Gabapentin in einer Dosierung von 900mg. Primärer Outcome war postoperatives Delir. Zu den sekundären Outcomes zählten postoperative Schmerzen, Opioideinsatz und Dauer des Krankenhausaufenthalts. 
Die Gesamtinzidenz des postoperativen Delirs an einem der ersten drei Tage lag bei 22,4 Prozent: 24,0 Prozent unter Gabapentin vs. 20,8 Prozent unter Placebo (Unterschied 3,20 %; P = 0,30). Auch nach Stratifizierung der Inzidenz je nach operativem Eingriff, Form der Anästhesie oder präoperativem Risikostatus zeigte sich zwischen den beiden Gruppen kein Unterschied. Gabapentin war allerdings mit einer Einsparung von Opioiden verbunden: In der Interventionsgruppe waren niedrigere Dosierungen erforderlich als in der Placebogruppe.

Die perioperative Verabreichung von Gabapentin führte bei älteren Patienten mit nicht-kardialen operativen Eingriffen weder zu einer Senkung der postoperativen Delirrate noch zu einer Verkürzung der Aufenthaltsdauer. Der prophylaktische Einsatz von Gabapentin zur Reduzierung des postoperativen Delirs ist daher nicht indiziert, so die Autoren. 

Quelle: Leung, J. M. et al.: "Perioperative Gabapentin Does Not Reduce Postoperative Delirium in Older Surgical Patients: A Randomized Clinical Trial", Anesthesiology 10 2017, Vol.127, 633-644. doi:10.1097/ALN.0000000000001804. 

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