Operationen in Beach-Chair-Position – Blutdruckverhalten und neurologische Komplikationen

Neurochirurgische Eingriffe und Operationen im Bereich der Schulter werden häufig in der sogenannten Beach-Chair-Position durchgeführt, wofür der Patient halbsitzend gelagert wird. Diese Lagerungstechnik erleichtert zwar einerseits den operativen Zugang, birgt aber andererseits die Gefahr der Kreislaufinstabilität. Eine wenige aufsehenerregende Fallberichte beschreiben ischämische Gehirn -oder Rückenmarkschädigungen nach Operation in dieser Position. Dabei ist die Häufigkeit dieser schweren Komplikation insgesamt unbekannt, ebenso wie ein Zusammenhang zwischen arteriellem Blutdruck und der Läsion. Bei den 4 beschriebenen Fällen existierten nur wenige Details zur Hämodynamik.

Um mehr Daten und damit auch mehr Klarheit über den Zusammenhang von Kreislaufverhalten und neurologischem Outcome bei Anästhesien in Beach-Chair-Position zu erhalten, analysierten Wissenschaftler der Mayo Clinic in Rochester retrospektiv die intraoperativen Aufzeichnungen zur Hämodynamik von insgesamt 5177 Patienten, bei denen zwischen Januar 2002 und Dezember 2009 ein orthopädischer Eingriff an der Schulter oder ein neurochirurgischer Eingriff in sitzender Position durchgeführt wurde.

Bei Patienten, die an der Schulter operiert wurden, sank der intraoperativ und invasiv gemessene systolische Blutdruck - ermittelt in Bezug zur Herzhöhe - um 14,4% ± 12,7% (Mittelwert ± Standardabweichung), bei nichtinvasiver Blutdruckmessung mittels Manschette (NIBP) - ebenfalls bezogen auf Herzhöhe - um 19,3% ± 12,6%. Bei den neurochirurgischen Patienten fiel der arterielle Mitteldruck bezogen auf den Ausgangwert im Durchschnitt um 17,6% ± 11,5% und um 19,7% ± 10,7% bei Patienten, bei denen der Druckwandler in Herz-oder Kopfhöhe platziert wurde. Der Absolutwert des mittleren arteriellen Blutdrucks (Mittelwert ± SD) lag bei orthopädischen Patienten, nichtinvasiv und auf Herzhöhe gemessen, bei 75 ± 8mmHg; bei invasiver Messung - ebenfalls referenziert auf Herzhöhe - bei 74 ± 7mmHg. Bei neurochirurgischen Patienten erfolgte die Blutdruck nur invasiv; hier lag der mittlere arterielle Blutdruck in Bezug auf die Herzhöhe bei 78 ± 7mmHg und in Bezug auf die Kopfhöhe bei 75 ± 7mmHg.

Über die gesamte Dauer der Operation betrachtet, fiel der systolische Blutdruck einmalig oder mehrmals um über 40% des Ausgangswertes, und zwar bei 52% der neurochirurgischen Eingriffe (95% Konfidenzintervall [KI], 49% - 56%), bei 51% der orthopädischen Eingriffe mit invasiver Blutdruckmessung (95% KI, 47% - 55%) und bei 48% der orthopädischen Eingriffe mit nichtinvasiver Blutdruckmessung (95% KI, 46% - 50%). Bei keinem der 5177 Patienten kam es zu einer schweren Komplikation unmittelbar nach der Operation.

 

Quelle: Pathomporn Pin-on, Darrell Schroeder James Munis: The Hemodynamic Management of 5177 Neurosurgical and Orthopedic Patients Who Underwent Surgery in the Sitting or "Beach Chair" Position Without Incidence of Adverse Neurologic Event. Anesth Analg June 2013 116:1317-1324. Published ahead of print March 11, 2013. doi:10.1213/ANE.0b013e31828446bb

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