Management chronisch postoperativer Schmerzen: Magere Datenlage

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Schmerzen nach einer Operation gelten ab einer Dauer von mindestens drei Monaten als chronisch („chronic postsurgical pain“, CPSP). Zwischen zehn und 50 Prozent aller chirurgischen Patienten nach großen oder kleinen Eingriffen sind betroffen, berichtet das englisch-belgische Autorenteam der vorliegenden Untersuchung. CPSP sind mit schlechtem Allgemeinzustand, Behinderung, Depression und sozialem Rückzug assoziiert und erhöhen das Risiko weiterer Komorbiditäten. Die Kenntnis um die wichtigsten Faktoren und Prädiktoren der CPSP könnte das Management verbessern – doch derzeit ist die Datenlage immer noch mangelhaft. Der vorliegende systematische Review analysierte 66 Trials mit insgesamt 3.149 Teilnehmern.

  • Die meisten Trials umschlossen Patientengruppen mit chronischen Schmerzen nach Wirbelsäulen-Chirurgie (25 Trials) oder Phantomschmerzen nach Amputation (21 Trials).

  • Die Interventionen waren hauptsächlich medikamentöser Art (Antiepileptika, Capsaicin, epidurale Steroidinjektionen, lokale Anästhetika, Neurotoxine, Opioide). 

  • Zu den nicht-pharmakologischen Interventionen zählten Akupunktur, körperliche Übungen, Rückenmarksstimulation, Lasertherapie oder „Mindfulness“.

  • Aufgrund der Heterogenität der untersuchten Arbeiten war eine Metaanalyse nur eingeschränkt möglich. Für keine der angegebenen Interventionen war ausreichend Evidenz vorhanden, um Schlussfolgerungen bezüglich der Effektivität zu ziehen. 

Der Review unterstreicht die Lücken der Evidenz über Interventionen bei CPSP, insbesondere fehlt es an Arbeiten zur Evaluierung multimodaler Interventionen, so die Autoren. Zukünftige Studien sollten sich nicht nur mit den pathologischen Mechanismen oder Schmerzlokalisationen beschäftigen, sondern vor allem die Beziehung zwischen operativem Eingriff und Schmerzen näher beleuchten, um die Entwicklung individualisierter Interventionen zu fördern. 

 
Quelle: Wylde, V. et al.: "Systematic review of management of chronic pain after surgery", Br J Surg. 2017 Sep; 104(10): 1293–1306, doi:  10.1002/bjs.10601. 

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