Prophylaxe des akuten Nierenversagens nach Koronarangiographie

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Das akute Nierenversagen (ANV) nach Koronarangiographie ist eine der häufigsten Ursachen für eine Nierenschädigung. Es ist insbesondere von Bedeutung, da es unabhängig von anderen Risikofaktoren zu einer Erhöhung der Mortalität führt, und ein relevanter Teil der Patienten eine dauerhafte Einschränkung der Nierenfunktion erfährt. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Anstrengungen unternommen werden, diese akute Nierenschädigung zu vermeiden. Hierbei mehren sich die Befunde, dass der Einsatz des transradialen anstelle des transfemoralen Zugangs bei der Koronarangiographie vorteilhaft sein könnte, da dies zu weniger Blutungskomplikationen führt und unabhängig vom Kontrastmittel gegebenenfalls atheroembolische Ereignisse in den Nieren verhindert. Lüdde et al. haben nun untersucht, ob dieser interessante Ansatz auch in der klinischen Praxis die Inzidenz von akuter Nierenschädigung nach Koronarangiographie senkt.

In der vorliegenden Studie wurden retrospektiv 2.937 Verläufe nach Koronarangiographie analysiert. Von diesen wurden 1.141 mit einem transradialen und 1.796 mit einem transfemoralen Zugang durchgeführt. Möglich wurde diese systematische retrospektive Analyse der klinischen Praxis dadurch, dass in diesem Zentrum eine routinemäßige Umstellung vom transfemoralen hin zum transradialen Zugang bei der Koronarangiographie erfolgte. Ein ANV nach Koronarangiographie wurde nach den KDIGO-Richtlinien definiert als ein Anstieg des Serum-Kreatinins um 0,3 mg/dl innerhalb von 48 Stunden oder ein Anstieg von mindestens 50 Prozent vom Ausgangswert vor Koronarangiographie.

In der gesamten Kohorte entwickelten 400 Patienten (11,6 %) ein ANV nach Koronarangiographie. Es zeigte sich in dieser Analyse, dass der transradiale Zugang zu einer deutlichen Abnahme eines ANV nach Koronarangiographie führt (10,1 % vs. 15,9 %, P < 0,0001). Auch in der logistischen multivariaten Analyse war der transradiale Zugang unabhängig von den anderen Faktoren mit einer Reduktion einer Nierenschädigung nach Koronarangiographie assoziiert (Odds ratio: 0,65; 95 % Konfidenzintervall 0,51 – 0,83). Der vorteilhafte Effekt des transradialen Zugangs blieb auch in der Subgruppenanalyse der Patienten mit stark erhöhtem Risiko für ein ANV nach Koronarangiographie nachweisbar. So war die Inzidenz einer Nierenschädigung auch bei Patienten mit chronischer Nierenkrankheit durch Einsatz des transfemoralen Zugangs signifikant verringert (20,3 % vs. 30,1 %, Odds ratio: 0,60; 95 % Konfidenzintervall 0,41 – 0,87, P=0,007). Dieser vorteilhafte Effekt ließ sich auch in der Subgruppenanalyse bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom bestätigen.

Zusammenfassend zeigt sich der vorteilhafte Effekt des transradialen Zugangs auf die Nierenschädigung auch in der klinischen Praxis. So ist neben der verringerten Blutungskomplikation nun auch die reduzierte Nierenschädigung durch Einsatz des transradialen Zugangs belegt. Ob die verringerte Blutungskomplikation alleine durch Vermeidung einer hämodynamischen Instabilität zur Reduktion der Nierenschädigung führt, oder ob die Vermeidung von atheroembolischen Ereignissen eine Rolle spielt, kann hierbei noch nicht abschließend geklärt werden. Fakt ist aber, dass der transradiale Zugang bei der Koronarangiographie auch aus nephrologischer Sicht vorzuziehen ist.

 
Quelle: Feldkamp, T. et al.: "Radial access protects from contrast media induced nephropathy after cardiac catheterization procedures", Clin Res Cardiol. 2017 Sep 22. doi: 10.1007/s00392-017-1166-2.

 

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